Website selbst bauen oder bauen lassen? Eine ehrliche Entscheidungshilfe für EPUs
Wix, Squarespace, Jimdo, WordPress, Webflow – oder doch eine Webdesignerin? Die Frage höre ich fast täglich. Hier ist meine ehrliche Antwort, ohne Verkaufsdruck. Inklusive der Fälle, in denen ich selbst sage: Bau sie lieber selbst.
Die unbequeme Wahrheit vorweg
Es gibt keine universelle Antwort. Beides hat seine Berechtigung. Was für dich richtig ist, hängt von drei Dingen ab: deinem Budget, deiner Zeit und deinem Anspruch an das Ergebnis. Wer ehrlich auf diese drei Punkte schaut, kommt fast immer zur richtigen Entscheidung.
Lass uns die zwei Wege nebeneinanderlegen.
Variante 1: Selbst bauen mit einem Baukasten
Du wählst eine Plattform (Wix, Squarespace, Jimdo, Webflow, WordPress mit Elementor) und baust deine Website mit fertigen Vorlagen.
Was du wirklich brauchst
- Plattform-Kosten: ca. 12 bis 30 Euro pro Monat (gratis-Versionen taugen für ein Business meist nicht).
- Eine eigene Domain: ca. 15 bis 30 Euro pro Jahr.
- Eventuell ein Premium-Template: einmalig 50 bis 200 Euro.
- Optional: Stockfotos oder professionelle Fotos: ab 50 Euro.
Geld total im ersten Jahr: ca. 200 bis 500 Euro.
Was wirklich an Zeit drinsteckt
Das ist der Teil, den die Anbieter nicht in der Werbung zeigen. Realistische Zahlen aus der Praxis für eine ordentliche EPU-Website (Startseite + 3 bis 5 Unterseiten):
- Plattform lernen: 5 bis 10 Stunden
- Konzept und Struktur durchdenken: 5 Stunden
- Texte schreiben: 10 bis 20 Stunden
- Bilder auswählen und bearbeiten: 5 Stunden
- Bauen und gestalten: 15 bis 30 Stunden
- Korrekturen und Feinschliff: 5 bis 10 Stunden
Zeit total: 45 bis 80 Stunden – gleichmäßig verteilt über 2 bis 6 Monate. Wer abends müde noch ein bisschen schraubt, braucht eher länger.
Rechne ehrlich: Wenn dein Stundensatz 80 Euro beträgt, sind 60 Stunden Eigenleistung 4.800 Euro „versteckte“ Kosten. Das ist Geld, das du in der gleichen Zeit auch mit deiner Kerntechnik hättest verdienen können.
Vorteile von Selbst-Bauen
- Niedrige laufende Kosten.
- Volle Kontrolle über jedes Detail.
- Schnelle Änderungen ohne externe Abhängigkeit.
- Du lernst sehr viel über die digitale Seite deines Business.
Nachteile von Selbst-Bauen
- Das Ergebnis sieht oft „wie aus dem Baukasten“ aus – Kundinnen erkennen das.
- SEO und KI-Sichtbarkeit sind ohne Vorkenntnisse schwer umzusetzen.
- Du bist an die Plattform gebunden. Wechsel später ist aufwendig.
- Texte schreiben, die wirklich verkaufen, ist eine eigene Disziplin.
Variante 2: Bauen lassen von einer Webdesignerin
Du beauftragst jemanden, der/die das beruflich macht – entweder eine Agentur oder eine selbstständige Webdesignerin wie mich.
Was das in Österreich wirklich kostet
Realistische Preisspannen für 2026:
- Selbstständige Webdesignerin: 1.500 bis 4.000 Euro für eine professionelle EPU-Website.
- Kleine Agentur: 3.500 bis 8.000 Euro.
- Größere Agentur: ab 8.000 Euro aufwärts, gerne auch fünfstellig.
Wichtig: Frag immer, was inkludiert ist. Ist SEO dabei? Google Business Profil? Texte? Bilder? Hosting im ersten Jahr? Die Preise schwanken stark, weil die Leistungen schwanken.
Steuervorteil nicht vergessen
EPUs in Österreich können die gesamte Website-Investition als Betriebsausgabe steuerlich absetzen. Und je nach aktueller Förderlandschaft kommt unter Umständen zusätzlich ein Zuschuss in Frage – das lässt sich am besten im Erstgespräch klären.
Was du an Zeit investierst
- Briefing-Gespräch: 1 bis 2 Stunden
- Texte freigeben oder Inhalte liefern: 5 bis 10 Stunden
- Feedback und Korrekturschleifen: 2 bis 5 Stunden
Zeit total: 8 bis 17 Stunden über 4 bis 8 Wochen. Du gibst Input, jemand anderes setzt um.
Vorteile von Bauen-Lassen
- Du sparst 30 bis 60 Stunden eigene Arbeitszeit.
- Das Ergebnis ist professionell – technisch, gestalterisch, textlich.
- SEO und KI-Sichtbarkeit sind oft Teil der Leistung.
- Du hast eine Ansprechperson für Probleme und spätere Änderungen.
Nachteile von Bauen-Lassen
- Höhere Initialkosten.
- Du bist auf die Verfügbarkeit deines Gegenübers angewiesen.
- Bei der falschen Anbieterin entstehen unschöne Abhängigkeiten.
Selbst bauen vs. bauen lassen – auf einen Blick
| Kriterium | Selbst bauen | Bauen lassen |
|---|---|---|
| Geldkosten | 200–500 € im 1. Jahr | 1.500–4.000 € einmalig (oft förderbar) |
| Zeitaufwand | 45–80 Stunden | 8–17 Stunden |
| Profi-Look | Schwer zu erreichen | Standard |
| SEO & KI-Sichtbarkeit | Eigenes Know-how nötig | Meist inkludiert |
| Spätere Änderungen | Machst du selbst | Externe Unterstützung |
| Risiko | Halbfertige Website, die nie online geht | Falsche Anbieterin = teure Korrekturen |
Wann selbst bauen für dich Sinn macht
Ich sag das ehrlich, obwohl es meinem Geschäftsmodell widerspricht: Selbst bauen ist die richtige Wahl, wenn mindestens zwei dieser Punkte auf dich zutreffen:
- Du bist gerade erst gestartet und testest noch dein Angebot.
- Dein Budget liegt unter 1.000 Euro und Förderung kommt nicht infrage.
- Du hast Spaß an digitalem Tinkering und Zeit am Wochenende.
- Deine Website soll vorerst nur als digitale Visitenkarte dienen, nicht aktiv Kundinnen gewinnen.
- Du hast schon mal eine Website gebaut.
Wann bauen lassen die bessere Entscheidung ist
Hol dir Hilfe, wenn mindestens zwei dieser Punkte zutreffen:
- Du möchtest über die Website aktiv Kundinnen gewinnen.
- Deine Zielgruppe achtet stark auf Professionalität (B2B, hochpreisige Dienstleistung, Beratung).
- Du willst bei Google und KI-Assistenten gefunden werden, ohne dich monatelang in SEO einarbeiten zu müssen.
- Deine eigene Zeit ist mehr wert als der Preisunterschied (Stundensatz mal Zeitaufwand rechnen!).
- Die letzten beiden Selbst-Bau-Versuche sind im Sand verlaufen.
Die ehrlichste Entscheidungsfrage: Wenn deine Website in 4 Wochen online sein müsste, weil du sonst eine konkrete Kundin verlierst – bekommst du das selbst hin? Wenn du zögerst, lass sie bauen.
Der Mittelweg, den kaum jemand erwähnt
Es gibt noch eine dritte Option: Bauen lassen, selbst pflegen. Eine professionelle Basis wird einmal aufgesetzt – danach kannst du Texte, Bilder, Blogartikel selbst aktualisieren. So bekommst du die Vorteile von beidem: ein professionelles Fundament mit langfristig niedrigen Kosten. Genau so arbeite ich mit den meisten EPUs.
Was du auf keinen Fall tun solltest
- Den günstigsten Freelancer auf Fiverr nehmen, weil es billig ist. Du bekommst meist eine Vorlage in deinen Farben – ohne SEO, ohne Strategie, ohne Verantwortung.
- Dich monatelang an einer halbfertigen Website festbeißen. Eine Website, die nie online geht, bringt 0 Euro.
- 10.000 Euro für eine Agentur ausgeben, ohne Alternativen zu prüfen. Eine selbstständige Webdesignerin bietet dieselbe Qualität oft zum Bruchteil des Preises.
- Eine Website „für später“ immer wieder verschieben. Jeder Monat ohne Website ist ein Monat ohne Sichtbarkeit.
Fazit: Es geht nicht um billig vs. teuer
Die richtige Frage ist nicht: „Was kostet weniger?“ Die richtige Frage ist: „Was bringt mir mehr Kundinnen pro investiertem Euro – und pro investierter Stunde?“
Für die meisten EPUs, die ich kenne, ist die Antwort eindeutig: Selbst bauen ist nur dann günstiger, wenn man die eigene Zeit nicht mitrechnet. Sobald man das tut, kippt die Rechnung schnell. Trotzdem gibt es Situationen, in denen Selbst-Bauen sinnvoll ist – und ich sage das offen, auch wenn ich selbst Websites baue.
Lies auch meinen Artikel zur Grundsatzfrage Brauche ich als EPU wirklich eine Website?, wenn du da noch unsicher bist.
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